Auch oder gerade in anderen Kulturen ist das Warten verbreitet. Als Beispiel für eine entspannte Nation dient hier Indonesien. Hier heißt das Warten ‘nongkrong’ und es gibt sogar einen Begriff für ‘Warteort’.
Indonesien:
If one thing stands in stark contrast to Jakarta’s fast pace, and is its natural antidote, it is the delicate art of nongkrong. The official dictionary definition of the verb is ’sitting around and not working’, but in colloquial Bahasa Indonesia translates as something like ‘hanging out’. The act can be performed by squattering on the roadside, sitting on the front steps of one’s house, lying in a hammock, sitting atop a bunch of parked motorbikes, or even leaning against a railing in the shopping mall. Classic nongkrong is done wearing flip-flops and smoking a pungent kretek clove cigarette. Nongkrong is a means without an end. The purpose of nongkrong is…nongkrong. And it is not a fleeting, fiveminute activity. Nongkrong must be long and drawn out, with absolutely no sense of urgency and no agenda whatsoever. If someone is doing something else like eating, for instance, they are not nongkrong, they are eating. Similarly, if they have to be somewhere in half an hour, they are not nongkrong either.
Quelle: Jakarta Inside Out, Daniel Ziv, 2002, Equinox Publishing (Asia) Pte.Ltd. Jakarta/Singapur, ISBN 979-95898-7-8
Informationen:
nongkrong (alternative spelling: tongkrong); (informal) squat; (informal) sit around doing nothing, hang out; idle, not in use
nongkrongan [kata dasar/root word : nongkrong] (alternative spelling: tongkrongan) place where someone sits around idly.
Auch in der Werbebranche werden die Tugenden Geduld und Beharrlichkeit verwendet. Guiness hat sich in den Jahren 1998 und 1999 einige exzellente Spots für den Slogan “Good things come to those who wait” drehen lassen. Der geneigte Warter kommt jedenfalls auf seine Kosten. Die drei besten Spots sind in diesem Beitrag eingbettet.
Die Regie für “The Surfer” wurde von Jonathan Glazer geführt. “The Surfer” war einer der erfolgreichsten Spots und erhielt anläßlich der “Film Lion 1999″ in Cannes unter anderem einen golden Lion. Here is to wainting!
Verpassen Sie nicht noitulovE oder “The Longest Wait” und rufen Sie den ganzen Artikel auf:
Auch im Tierreich finden sich Arten, die dem Müßiggang frönen und belohnt werden. Das muß nicht unbedingt ein Faultier oder eine Schnecke sein. Also, nicht immer rennen. Das bringt Sie weder als Löwe und erst recht nicht als Springbok weiter. Manchmal kommt das Glück unverhofft auch ohne Anstrengung.
Das Buch “The Book of Idle Pleasures” von Dan Kieran und Tom Hodgkinson ist Balsam für alle Gestressten, Genervten und Unruhigen. Mit 202 “idle pleasures” geben die Autoren dem Geplagten ein Stück Entspannung zurück; diese setzt übrigens schon beim Lesen ein.
Einer unserer “Pleasure”-Favoriten ist “Strolling Through the City”. Im Paris des neunzehnten Jahrhunderts ist der Idler oder Warter auch als Flaneur bekannt. Die Art und Weise des damaligen Flanierens weicht allerdings leicht von unserem heutigen Verständnis ab. Zeit, sich die alten Gewohnheiten etwas genauer anzusehen - Aufmerksamkeit garantiert.
Some of the most extreme flaneurs used to take a tortoise on their walks, because they liked to let the tortoise set the pace.
Eine Beschäftigung für alle Altergruppen ist auch “Squeezing Bubble Wrap”. 100 Quadratmeter Luftpolsterfolie bekommt man schon für € 30,00. Das sollte für ausdauernden Spaß sorgen. Als Spielvarianten empfiehlt Mr Hodgkinsen die Luftpolster als Schlafsack zu verwenden oder durch Formung eines riesigen Balls ein Maschinengewehr zu simulieren.
Wie uns Frau Andrea Giesbrecht-Schmitz vom General-Anzeiger Bonn zu verstehen gibt, sind wir mit unserer Warteeinstellung auf ziemlich verlorenem Posten. Wir üben uns in Geduld; das richtige Warten will gelernt sein.
“Es gibt jedoch Exoten, die sich nicht nur in Geduld üben, sondern für die das Warten sogar ein Genuss ist. Die Freunde von www.warten.org zum Beispiel erklären das Warten zu einem Luxus in einer beschleunigten Welt: Es komme nur darauf an, wie man wartet. Sie blicken nach Indonesien, wo warten nongkrong heißt, was übersetzt so viel bedeutet wie “herumsitzen und nichts tun”.
Müßiggang kann man James Bond wohl nicht unterstellen, die angenehmen Seiten des Lebens weiss 007 jedoch zu schätzen. Allerdings ist hier Daniel Craig im Film Layer Cake zu sehen. XXXX (so der Name des Charakters) wird gerade das englische Sprichwort/ Proverb “Good things come to those who wait” serviert. Warten lohnt sich definitiv.
1. The Idler: www.idler.co.uk
2. In Praise of Idleness (Bertrand Russell)
Bücher:
1. The Book of Idle Pleasures
2. How to Be Idle (mit vielen Literaturhinweisen)
3. Three Men in a Boat.
4. The Idler’s Glossary. By Joshua Glenn and Mark Kingwell
Deutsche Literatur:
Zeitschriften und Essays:
1. Die Zeit: Wie wollen wir leben? (Susanne Gaschke)
2. Die Zeit: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. (Christian Schüle)
3. Die Zeit: Luxusartikel Zeit (Heike Leitschuh-Fecht)